Patagonien – der vielleicht schönste Ort der Welt
Nach einer schlaflosen Nacht am Flughafen Santiago de Chile und ewiger Verspätung wegen defekter Klimaanlage landen wir endlich in Punta Arenas.
Punta Arenas nach Puerto Natales
Blechgeil – 82PS und Klimaanlage
Am Flughafen wartet dann schon unser Mietwagen auf uns und wir machen uns auf Richtung Puerto Natales. Die Route 9 ist die Hauptverkehrsstraße in der Region Magallanes y la Antártica Chilena. Trotzdem ist sie stellenweise nicht mehr als eine Schotterpiste. Genau das Richtige für unser Auto. Die Straße ist vielleicht in mittelmäßiger Verfassung, dafür ist der Ausblick desto erstklassiger. Nicht umsonst heißt die Straße später auch Ruta del Fin del Mundo – Straße am Ende der Welt.
Blick auf die Berge von der Route 9 aus
Die Landschaft ist zwar karg, aber nicht eintönig. Mal ist alles um uns herum grün und mit knorrigen, von Flechten bewachsenen Wäldern bedeckt, mal sieht es fast aus wie eine Steppenlandschaft. Fast wie bezahlt tauchen am Wegrand auch die patagoniatypischen Tiere auf: Nandus, Flamingos und Guanacos, wobei letztere dem Auto doch das ein oder andere Mal ein bisschen zu nah kommen und für Unwissende wie uns sehr nach Lama aussehen. Bald tauchen auch die ersten Lagunas auf. Deren Wasser ist so unglaublich blau, dass ich erst dachte, das hätte was mit meiner Sonnenbrille zu tun.
Nach knapp drei Stunden fahrt kommen wir in Puerto Natales an. Elsa hat wohl das schönste AirBnB gefunden, in dem ich je war. Es ist, wie hier typisch eine einfache Holzkonstruktion mit Wellblechdach. Auf einer Anhöhe gelegen hat man einen tollen Ausblick über das, was bald Pazifischer Ozean wird.
Doppelter Regenbogen
Torres del Paine – Cuernos
Tags drauf geht es schon früh los in den Nationalpark. Zwar sind wir noch echt müde vom Vortag, dafür werden wir aber mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt
Fetter Sonnenaufgang
Je näher wir dem Nationalpark kommen, desto langsamer werden wir. Denn an jeder Ecke gibt es jetzt einen kleinen Parkplatz an dem man rechts ranfahren muss, um sich die tolle Landschaft anzuschauen.
Eigentlich wollten wir eine Bootsfahrt machen, mit 30$ pro Fahrt ist uns das aber doch irgendwie zu teuer. Deswegen wandern wir zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf die Cuernos del Paine, also die Hörner hat. Der Weg führt uns vorbei an tollen Bergseen, seichten Hügeln und sogar einem wunderbar blauen Wasserfall.

scenic schokomilch
Nach der Wanderung trinken wir einen Patagonia-Blend Kaffee. Das ist sowas wie ein besserer Nescafé, aber trotzdem sehr gewöhnungsbedürftig.
Da der Tag noch nicht ganz zu Ende ist, fahren wir über einen anderen Weg zurück aus dem Park. Da hat man zwar eine super Aussicht, die Straße ist aber eigentlich nur eine Schotterpiste. Dass das unser PS-Wunder nicht so gut findet, teilt es uns laut mit. Vor allem das Wackeln der Spiegel hört man durch die geschlossenen Fenster.
Ein paar Tramper haben das Pech an uns zu geraten, wir nehmen sie zwar mit nach Puerto Natales, dafür haben beide jetzt wohl ziemlich sicher eine Steißbeinprellung.
Torres Del Paine
Wir stehen noch früher auf, heute geht es auf zu den Torres Del Paine, also das, wieso der Nationalpark so heißt. Das sind diese drei Granittürme am Fuße eines superblauen Bergsees.
Auf dem Weg dahin überfährt Elsa erstmal fast einen Hasen, jetzt sind wir wenigstens sehr wach. Den Blutspuren zur Folge werden hier wohl täglich dutzende Tiere überfahren, vor allem bei Dämmerung. Man sieht die Blutspuren, die sich über die Fahrbahn ziehen. Die Kadaver werden aber von Aasvögeln brav von der Fahrbahn geschleift.
Im Park angekommen merken wir, dass wir mindestens eine halbe Stunde zu spät sind. Es sind schon zu viele geführte Touren unterwegs. Ein solcher Tross besteht aus so ca 12 Tourist:innen mit zwei über Funk verbundene (wofür auch immer man das braucht) Guides. Diese Trosse gehen als eine Art Einheit und es mutet schon fast militärisch an, weil alle auch die gleichen Wanderstöcke haben. Diese Stoßtrupps sind besonders schwer zu überholen, deswegen geben wir unser bestes und stürmen den ersten Abschnitt hoch und schaffen es, die meisten Gruppen zu überholen.
Die Wanderung ist sehr einfach, das gefährlichste sind wahrscheinlich entgegenkommende Wander:innen und solche, die einfach plötzlich stehen bleiben. Oben sollte man auf jeden Fall ein bisschen trittsicher sein, aber wir werden auch von Leuten in Converse überholt.
Insgesamt scheinen diese geführten Touren vor allem großer Hoax zu sein. Also wer sich auf dieser Tour verirrt, findet wohl auch den Weg von Klo zu Küche nicht.

Der Aufstieg ist aber sehr schön, es gibt verschiedene Abschnitte. Der erste Abschnitt ist eine Art Spaziergang an den Fuß des Gebirges, dann geht es seicht die Hügel hoch, dieser geht dann an einem Fluß vorbei in einen Wald über. Hier ist es vor allem windstill und es gibt ein kleines Refugio, an dem man seine Wasserreserven auffüllen kann. Und was aus diesem Wasserhahn kommt, muss das beste Wasser sein, was man in Chile kriegen kann. Einfach nicht gechlortes Wasser, arschkalt und richtig lecker. Echtes Highlight.
Unscheinbar, aber scheppert
Jetzt wird der Weg schmaler und wir langsamer, weil man sich über große Steinstufen bewegen muss. Wir lassen den Wald hinter uns und erreichen bald darauf den letzten Abschnitt. Natürlich zieht es sich jetzt gerade zu und es schneit sogar ein bisschen. Von den Torres lassen sich also nur noch die Spitzen erahnen. Oben machen wir die obligatorischen Fotos, essen unser Brot und dann geht es auch schon wieder runter.
Wenn ich zu Hause bin komprimiere ich die Bilder, keine Sorge!
Letzte zwei Tage
Die letzen zwei Tage in Patagonien gehen dann doch sehr schnell. Am Tag nach der großen Wanderung haben wir uns eigentlich nur eine kleine Besteigung des Hausbergs von Puerto Natales, Cerro Dorotea, vorgenommen. Der Aufstieg entpuppt sich aber als anspruchsvoller als gedacht, dafür werden wir aber mit einer tollen Aussicht über Puerto Natales belohnt.

Leider müssen wir uns auch von unserem AirBnB verabschieden und in eine kleine Hütte auf einer Pferdezucht (oder sowas) ziehen. Zwar ist die Hütte nicht so schön wie die vorherige Unterkunft, dafür haben wir aber auch einen tollen Blick – und einen Ofen, der uns wärmt.
So schläft man gleich viel besser
Es gibt, wie auch die Tage zuvor, Completos. Irgendwie passen die Anzahl an Hotdog-Brötchen und die Anzahl an Würstchen, die man kaufen kann, nie so ganz zusammen.
Stilecht werden die Brötchen weich gedampft
An unserem letzten echten tag in Puerto Natales haben wir uns nochmal einiges vorgenommen. Morgens geht es erstmal zu einem Specialty Coffee Laden. Ein Amerikaner schreibt in einer Bewertung: „Best Flat White I had in Chile“, was entweder alles oder nichts bedeuten kann.
Ganz schön Kniffelig
Danach streifen wir noch ein bisschen durch den Ort und merken dass Sonntag ist, und viele Geschäfte geschloßen haben (Anfängerfehler für Deutsche, ik).
Nachmittags steigen wir dann auf ein ganz schön hohes Ross. Wir machen einen Ausritt am Lago Sofia. Der Ausritt ist wirklich toll und man hat von den umgebenden Hügeln einen tollen Blick auf den See.

Elsas Pferd versucht auch nur einmal sie loszuwerden, indem es sich einfach plötzlich hinlegt. Danach haben wir noch mehr Muskelkater und fallen glücklich ins Bett.
Ziemlich staubig, dieser Raststellen-Mitarbeiter
Tags drauf geht es dann auch schon zurück nach Punta Arenas wo wir nachts in den Flieger Richtung Calama steigen. Auf dem Rückweg treffen wir noch eine schöne Katze, die es auf Elsas Empanada abgesehen hat und trennen uns dann auch schon von unserem Mietwagen. Abends genießen wir dann noch die Aussicht auf Punta Arenas und dann heißt es auch schon Abschied nehmen.
Aussicht auf Punta Arenas